Sofortprogramm Feldhamsterschutz

Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft

Die Stiftung Naturschutz Thüringen engagiert sich zusammen mit den Verbundpartnern für den Erhalt des Feldhamsters in der Thüringer Kulturlandschaft.
Thüringen ist das Bundesland mit dem größten zusammenhängenden Verbreitungsgebiet des Feldhamsters in Deutschland. Es trägt deshalb eine hohe Verantwortung für den bundesweiten Schutz dieser streng geschützten Art. Zudem kommt in Thüringen eine seltene schwarze Farbvariante des Feldhamsters vor, womit eine besondere Verantwortung zum Erhalt der genetischen Vielfalt einher geht.

  • Ort: 35 Feldhamsterschwerpunktgebiete mit 79 Handlungsbereichen; vorwiegend im Erfurter Becken
  • Laufzeit:  von Juni 2022 bis Oktober 2023; ein Folgeprojekt wird angestrebt
  • Finanzierung: 95.283,20€ über die Richtline ENL mit Geldern der EU und des Freistaat Thüringen
  • Wir helfen/schützen hiermit: den Feldhamster in unserer heimischen Kulturlandschaft
  • Feldhamster mit Nachwuchs
    Feldhamster mit Nachwuchs © Wolfgang Hock, 2021
  • ausgeräumte Agrarlandschaft im Thüringer Becken
    Agrarlandschaft © SNT, 2022
  • praktischer Feldhamsterschutz, der steifenweise Anbau unterschiedlicher Kulturen bereichert die Agrarlandschaft
    Praktischer Hamsterschutz © SNT, 2022
  • Fallröhre des Feldhamsters mit Zollstock, der Zollstock steckt cirka 80 cm tief in der Röhre
    Fallröhre des Feldhamsters © SNT, 2022

  • Feldhamster mit Nachwuchs
  • ausgeräumte Agrarlandschaft im Thüringer Becken
  • praktischer Feldhamsterschutz, der steifenweise Anbau unterschiedlicher Kulturen bereichert die Agrarlandschaft
  • Fallröhre des Feldhamsters mit Zollstock, der Zollstock steckt cirka 80 cm tief in der Röhre

Im aktuellen Projekt werden die bekannten Feldhamster-Bestände mit stabilen Populationen durch gezielte populationsstützende Maßnahmen als Quellpopulationen gesichert und mittels feldhamsterfreundlicher Bewirtschaftungsmaßnahmen ein Grundstein für die Vernetzung mit benachbarten Populationen gelegt.

In der Planung befinden sich die Wiedervernetzung der bestehenden Vorkommen durch die Schaffung eines Biotopverbundsystems. Es sollen vier großflächige Gebiete entwickelt werden, in denen ausreichend große und stabile Feldhamsterpopulationen heranwachsen können, von denen aus fast bzw. bereits erloschene Populationsräume wiederbesiedelt werden können.

Flankiert werden die Maßnahmen durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit und durch die Evaluation des Erfolgs der lebensraumverbessernden, populationsstützenden Maßnahmen.

Verbundpartner

Gemeinsamm mit den Verbundpartnern setzten wir den Schutz des Feldhamsters um.

Unsere Verbundpartner sind:

Stiftung Lebensraum Thüringen e.V. mit der  Natura 2000 "Sonderaufgabe Feldhamsterschutz"

Landschaftspflegeverband "Mittelthüringen" e.V.
mit der Natura 2000-Station "Mittelthüringen"

Naturforschende Gesellschaft Altenburg e.V.
mit der Natura 2000-Station "Gotha/Ilm-Kreis"

Ziele

Die zentralen Ziele im "Sofortprogramm Feldhamsterschutz" sind:

  • Umsetzung populationsstärkende Maßnahmen auf jeder nach dem Prioritätenkonzept ausgewählten Kernfläche.
  • Beginn der Umsetzung von flankierenden Maßnahmen (ca. 20 % aller vorgesehenen flankierenden Maßnahmen).
  • Kartierung der Maßnahmenflächen zur Abschätzung des Erfolgs der ergriffenen Maßnahmen.
  • Die Bestandsdichte an Feldhamstern steigt im Durchschnitt der Kernflächen an, so dass gute Voraussetzungen für den Aufbau von Metapopulationsstrukturen und Bestandsstärkungen in den kommenden drei Jahren gegeben sind.
  • Durch beratende und informierende Tätigkeiten steigt die Akzeptanz der landwirtschaftlichen Betriebe für die KULAP-Feldhamster-Programme.
  • Durch gezielte Öffentlichkeit steigt die Bekanntheit des und Sympathie für den Feldhamster in der Bevölkerung.
  • Probenahmen für genetische Untersuchungen in den Kerngebieten und genetische Analysen legen die Grundlage für die Einschätzung, welche künftigen bestandsstützenden Maßnahmen in Thüringen erforderlich sind, insbesondere zur Klärung der Frage, ob die Betreibung einer Ex-Situ-Erhaltungszucht in Thüringen inzwischen notwendig geworden ist.

 

Prioritätenkonzept für den Feldhamster

Entsprechend der vorliegenden Daten und in Abhängigkeit von der räumlichen Verteilung wurden die lokalen Feldhamsterbestände in drei Prioritäten eingeteilt. Dadurch wurden insgesamt 79 sogenannte "prioritäre Handlungsbereiche" ermittelt, die überwiegend in den 35 Thüringer Feldhamsterschwerpunktgebieten liegen. Die Einteilung zu den Prioritäten erfolgte nach folgenden Vorgehen:

Priorität 1: Vorkommen von mind. 6 nachgewiesenen Bauen in den Jahren 2020 und 2021

Priorität 2: Vorkommen von < 6 Bauen in den Jahren 2020 und 2021, alternativ > 15 Bauen in den Jahren 2017 bis 2019 in weniger als einem km Abstand von zwei Vorkommen der Priorität 1

Priorität 3: Vorkommen von < 6 Baue in den Jahren 2020 und 2021, alternativ > 15 Bauen in den Jahren 2017 bis 2019 in ca. 1 km Abstand von einem Vorkommen der Priorität 1

Ziel ist es zunächst die prioritären Handlungsbereiche für den Feldhamster zu sichern. Dies geschieht durch die freiwillige Umsetzung von Maßnahmen durch Landwirte, welche über das "Sofortprogramm Feldhamsterschutz" (2022/2023) oder über das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) des Freistaates Thüringen (ab 2023) finanziert werden. Anschließend sollen flankierende und vernetzende Maßnahmen die lokalen Populationen miteinander verbinden und langfristig Überlebensfähige Feldhamstervorkommen ermöglichen.

Mitmachen

Mit der App "Meine Umwelt" lassen sich Feldhamster digital melden. So entstehen wichtige Daten über das aktuelle Vorkommen und die Verbreitung der Art. Die über die App gemeldeten Daten gehen zentral in die Datenbanken des Landes Thüringen ein. Zum Nachweis wird ein Foto oder Video benötigt, welches direkt über die App hochgeladen wird.

Auch unsere Verbundpartner sind auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen. Insbesondere im Hochsommer, zur Kartierung der Feldhamster, ist jede Hilfe willkommen. Kontakt über die Website unserer Partner oder direkt über Dirk.Hofmann(at)SNT .

Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.


Ansprechpartner im Projekt:

Dirk Hofmann
Telefon: 0361 57 3931 228
Dirk.Hofmann@snt.thueringen.de