Zur Lebensweise des Feldhamsters

Der Feldhamster (Cricetus cricetus) ist die einzige Art ihrer Gattung in Europa. Der bunte Nager legt auf tiefgründigen Böden seine bis zu 2 m tiefen Bauten an, die aus unterschiedlichen Kammern bestehen. Kennzeichnend für einen Hamsterbau ist die senkrechte Fallröhre durch die der Feldhamster sich schnell in Sicherheit bringen kann. In ihren Behausungen leben Feldhamster als Einzelgänger. Nur die weiblichen Hamster dulden das Männchen während der Paarung in ihrem Revier. Auch der Nachwuchs ist nach ca. einem Monat selbstständig und muss sich ein eigenes Heim suchen.

Der ursprüngliche Lebensraum des Feldhamsters waren fruchtbare Steppen und Grasländer. Seit dem Beginn der Landwirtschaft hat er sich erfolgreich in einer Vielzahl, vom Menschen veränderten, Lebensräumen ausgebreitet. Dazu gehören Wiesen, Ackerland (insbesondere Getreide), Feld- und Straßenränder sowie Brachflächen. Im östlichen Teilen seines Verbreitungsgebiets kommt er häufig in Gärten und Obstplantagen in unmittelbarer Nähe menschlicher Besiedlung vor. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus grünen Pflanzenteilen und Samen, ergänzt durch kleine Tiere. Bei sehr hoher Dichte kann er ein landwirtschaftlicher Schädling sein. Deshalb wurde er auch in Deutschland gejagt.

Bedrohung

Der starke Rückgang des Hamsters in Deutschland wird einer Kombination aus Verfolgung und Intensivierung der Landwirtschaft zugeschrieben. Er wurde gefangen und vergiftet, um Ernteschäden zu vermeiden oder um aus den Pelzen hochpreisige Mode zu produzieren. Doch insbesondere die Intensivierung der Landwirtschaft: der Verlust mehrjähriger Kulturen und kleiner unbewirtschafteter Flächen, die Einführung von Herbstgetreide und der verstärkte Einsatz von Pestiziden haben sich negativ auf viele Hamsterpopulationen ausgewirkt. Veränderte landwirtschaftliche Praktiken in Osteuropa, wo die Hamsterpopulation traditionell als stabil galt, stellen eine akute Bedrohung dar.

Geschützt ist der Feldhamster international über die Berner Konvention (Anhang II) und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Anhang IV). In Deutschland wird er als streng geschützte Art laut Bundesnaturschutzgesetz geführt. Aufgrund dieser Einstufung ist es verboten den Hamster während der Fortpflanzungs-, Aufzucht- und Überwinterungszeit erheblich zu stören oder seine Lebensstätten ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören. Trotz dieses strengen schutztes hat er einen Platz weit oben auf der Roten Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Seit 2020 wird er von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) eingestuft. In einigen Bundesländer Deutschlands ist er bereits jetzt ausgestorben, in anderen überlebt er noch in isolierte Vorkommen. Sollte die aktuelle Entwicklung sich fortsetzen, stirbt der Feldhamster in naher Zukunft aus.

 

 

Schutz

Aufgrund seiner schnellen Vermehrung ist es eigentlich recht einfach den Hamster in seinen Vorkommensgebieten zu schützen. Bei einer ganzjährigen Verfügbarkeit von Deckung und Nahrung im Umkreis seiner Bauten kann ein weiblicher Hamster bis zu drei Mal im Jahr zwischen sechs und zehn Jungen aufziehen. Gerade in Regionen mit tiefgründigen Lößböden, wo der Feldhamster am liebsten Lebt, ist das jedoch besonders schwierig, da ausgeräumte Landschaften und riesige Schläge nach der Ernte im Sommer keine Lebensgrundlage mehr bieten. Hier muss ein Wandel zu kleinflächigen Strukturen den Feldhamster unterstützen.

Die praktische Umsetzung lässt sich über das Stehenlassen von Stoppen (Deckung), oder den Verzicht auf einen Teil der Ernte (Nahrung) umsetzen. Auch besteht die Möglichkeit hamsterfreundliche Blühstreifen anzulegen, die überjährig stehen bleiben. Ein streifenweiser abwechselnder Anbau unterschiedlicher vom Hamster bevorzugter Kulturen wie Getreide, Luzerne oder Sonnenblumen ist besonders günstig. Essenziell ist der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel, da das Eiweiß große Insekten und das Grün der Beikräuter in der Zeit der Jungenaufzucht besonders wichtig ist.

Für die Umsetzung dieser Maßnahmen bekommen Landwirte in Thüringen Geld über die landwirtschaftliche Förderung. Damit soll der Mehraufwand und der Ertragsausfall für die hamsterfreundliche Bewirtschaftung honoriert werden.

Da der Feldhamster in vielen Regionen kaum noch zu finden ist, wurde in den vergangenen Jahren in fast allen mitteleuropäischen Ländern mit der Wiederansiedlung oder Bestandesstützung begonnen. Hierzu werden Feldhamster in Gefangenschaft gezüchtet und der Nachwuchs ausgewildert.